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  [Leserbrief - ] Publiziert 2004-Jan 

BVET tappt im Dunkel und führt uns alle hinters Licht


Im Artikel vom 14. Jan. 04 im CH – Bauer sagte Frau Heim, eine der Pressesprecherinnen des BVET, wörtlich: „ Wieso der Rückgang von BSE - Fällen aufs letzte Jahr so stark abgebremst wurde, darüber tappen wir im Dunkeln!“ Gleichzeitig sagte Frau Heim aber : „ Eines ist klar, es geht um die Futtermittel!“ Das BVET tappt also, nach eigenen Aussagen im Dunkel und sieht trotzdem klar. Wie geht das? 
Dies ist eben ein weiteres Beispiel, in einer langen Kette von Wiedersprüchen und Lügen welche uns dieses Amt auftischt. Eigentlich hätten wir Bürger doch das Recht, offen und ehrlich von einem Bundesamt informiert zu werden. Aber das Gegenteil ist der Fall. Das BVET betrieb nie eine transparente ehrliche Information, sondern es betreibt, von Profis geleitete, strategische und gezielte Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel bleibt immer das selbe: Die von den Engländern konstruierte Hypothese, wonach das Verfüttern von Fleischmehl die Hauptursache der BSE – Katastrophe in England und hernach auf dem Kontinent darstellt, förmlich in die Köpfe aller Menschen zu brennen. Dass die Engländer aber rundum BSE gelogen haben weiss jeder, nur leider nicht wie viel. Die Schweizer tun dies aber noch besser, denn merken tun es wenige.
Um dieses Paradigma aufrecht zu erhalten, hält unser Amt, einem Grosskonzern gleich, mehrere Informationsbeauftragte in seinem Dienste. Diese tragen den Journalisten haargenau diese Informationen auf, welche den Veterinären und der Pharmaindustrie dient. Wer glaubt in der Schweiz gebe es eine unabhängige, nach echten wissenschaftlichen Kriterien arbeitende, BSE –Forschung ist unheimlich naiv. Die vom BVET lancierte Hypothese, wird auch durch tausendfache Wiederholung, durch die Medien nicht wahrer, sie bleibt unbewiesen und ich sage: „ Sie war von Anfang an falsch“ ! Das Schlimme daran ist, dass durch dieses ständige Wiederholen sich leider nicht einmal die Journalisten mehr getrauen die Grundfrage zu stellen. Stimmten die Informationen unseres Bundesamtes überhaupt je im Bereich BSE? 
Frau Dagmar Heim führte weiter aus, neben der Annahme, dass die Infektion über die Futtermittel erfolge, gebe es keine andere wissenschaftlich erhärtete Theorie, abgesehen von der Übertragung vom Muttertier auf das Kalb. Dazu ist zu sagen, dass es schon lange, die von Bauern vertretene Erklärung für BSE gibt, wonach die, durch Veterinäre verwendeten Nervengifte in der Parasitenbekämpfung, nicht nur die Parasiten schädigt, sondern dosisabhängig eben auch die betroffenen Nutztiere. Diese Erklärung ist so logisch, dass sie jedes Kind versteht, aber sie birgt derart viel Sprengstoff, dass sie nie wahr werden darf. Sie wurde aber 1998 durch eine Studie von Stephen Whatley an einem neurologischen Institut in London massiv unterstützt. 
Damit wäre also diese, von der Wissenschaft als gefährlich und extrem ansteckend geschilderte Krankheit, lediglich eine Vergiftung. Logisch wäre es, denn auch in der Schweiz erkrankten praktisch nie mehr als zwei Tiere pro Betrieb. Die sensiblen eben, von Ansteckung und Seuche keine Rede! Einfach jene welche auf Nervengifte empfindlich reagieren. Dies erklärt auch den Umstand, dass immer mehr betroffene Rinder nie im Leben je Kontakt mit Fleischmehl hatten. 
Das BVET hat bisher alles unternommen, die Schuld an BSE auf die Bauern zu lenken. In einem Interview hörte ich Frau Heim einmal sagen, wenn sich die Bauern an die Vorschriften gehalten hätten, hätten wir schon lange kein BSE mehr. Dieser Vorwurf und diese Kriminalisierung von betroffenen Bauern war, nackter Hohn und ist durch die Realität längst wiederlegt. Längst befindet sich dieses Amt selber im Erklärungsnotstand. Die Ausreden werden immer verwegener und die Massnahmen immer dümmer. 1998 erklärte mir ein Kollege von Frau Heim wörtlich:“ Sollte auch nur ein Rind, nach Mai 96 geboren, an BSE erkranken, so befinde sich das Amt im Erklärungsnotstand. Wie alle wissen, haben wir heute fast ausschliesslich solche Fälle und des Amtes Notstand dauert an.
Es wahr von Anfang an politisch grundfalsch das BVET mit der Aufklärung von BSE zu betreuen. Alle wissen es, dieses Amt der Veterinäre vertritt logischerweise die Interessen der Tierärzte und der Pharmaunternehmen. Vom Bundesamt für Landwirtschaft ist für uns Bauern keine Unterstützung zu erwarten, zu sehr hat es sich auf die Argumentationskette des BVET fixieren lassen und das BAG sitzt, wie in der Humanmedizin stets auf der Seite der Pharma. Gute Beziehungen mit Big Dan Vasella, Randegger +Co. Entsprechen jenen Wissenschaftern besser, als sich mit den Problemen der Basis zu beschäftigen. Dies ist Korruption à la Suisse.
Im Herbst 98 hatten wir versuchshalber drei Kühe mit dem Insektizid Ivomec, einem Avermectin behandeln lassen. Andern tags nahm unser Lebensmittelkontrolleur Milchproben dieser Tiere. Diese liess er am kantonalen Labor in Zürich auf Rückstände untersuchen. Als ich nach einem Monat nachfragte, weshalb wir noch keine Antwort hätten, erklärte der zuständige Mitarbeiter nach langem sich winden, es sei ihnen übers BVET vom BAG untersagt worden diese Proben zu untersuchen, diese seien zur Zeit tiefgefroren. Nach dem ich bei unserer Gesundheitsbehörde vorstellig wurde, kam nach eineinhalb Jahren der Bescheid von Zürich, sie hätten nichts mehr gefunden in den Proben. 
So läuft also der Hase. Das BAG und das BVET , mit seiner ISO zertifizierten schnellen BSE - Eingreiftruppe, kann unsere Höfe jederzeit und unangemeldet filzen. Stehen aber von Lebensmittelkontrolleuren angemeldete Kontrollen auf Rückstände in Milch an. So läuten im BAG die Alarmglocken und nichts wird gefunden.
Ein trübes Kapitel in diesem Zusammenhang, ist auch die sogenannte freie Presse. Zu jener Zeit hatte ich in der Weltwoche einen sehr eindrücklichen Bericht gelesen über das Los von Bananenarbeitern in Nicaragua, welche samt den Bananen mittels Sprühflugzeugen mit dem Insektizid Nemagon, verschmutzt wurden. Die Folgen waren in dieser Region, viele kranke Arbeiter samt deren Kinder, wobei Babys zum Teil ohne Hirn zur Welt kamen. Nach jahrzehntelangen Klagen musste ein amerikanischer Multi schliesslich Schadenersatz zahlen. Mit dem verantwortlichen Redaktor hatte ich Kontakt aufgenommen und erklärt in der Schweiz hätten wir ähnliche Zustände. Nach mehreren Gesprächen schickte ich ihm ein dickes Dossier. Als er von der Geschichte besagter Milchproben hörte, sagte er, dies allein wäre ja ein Beitrag wert. Einen Monat später lag mein Dossier in unserem Briefkasten ohne Kommentar. Telefonisch war dieser Herr nicht mehr erreichbar. Auf meine Nachfrage auf dem Sekretariat der Weltwoche erhielt ich die Auskunft, jeder hänge eben an seinem Job. Offenbar hatte diesen Journalist, als er die Brisanz dieses Themas erfasst hatte, jenen Mut verlassen, welchen er für die weit entfernte Bananenrepublik noch übrig hatte. 
Die Interessen von uns Bauern bleiben, in diesem globalen Trauerspiel vollkommen auf der Strecke. Unsere politischen Vertreter haben total versagt und in Anbiederung an die Interessen der Wirtschaft, die unseren verraten. Wiederum überlässt man es so, dem Bundesamt der Veterinäre, die Ursache dieser sogenannten Seuche, ohne jedwede unabhängige Kontrolle, zu definieren. Von Wissenschaftlichkeit in diesem Zusammenhang darf doch Frau Heim gar nie sprechen. Hier wird inständig von Wissenschaftlichkeit gefaselt und gemeint sind Interessen. 
Wer sind denn hier die zuständigen sogenannten Wissenschafter? Die Leute am BVET verstehen sich, samt ihrem umtriebigen ehemaligen Chef, Professor Khim, fast alle als Wissenschafter und massen sich gleich selbst an, zu bestimmen was Wissenschaftlichkeit zu sein hat.
Weshalb die Auswirkungen hoher Dosen von Insektiziden, welche schweizweit tonnenweise mittels „pour on Methode“ unseren Nutztieren auf den Rücken geschmiert werden, nie seriös erforscht wurden, kann ja echt niemanden mehr erstaunen. Skandalös ist aber, dass dieses Amt der Öffentlichkeit, selbst die gröbsten Pannen in diesem Bereich stets verschwiegen hat. Auch als bei der Anwendung des Nervengiftes Neguvon im Kanton Freiburg hunderte von Tieren erkrankten und duzende direkt nach solchen Behandlungen verreckten, leugneten dies auf Anfrage die Verantwortlichen am BVET stur. Einige dieser Mittel wurden heimlich zurückgezogen und durch neue ,sogenannt bessere, ersetzt. 
Gerade zu hirnverbrannt mutet aber der Umstand an, dass genau dieses Amt die Macht inne hat, uns Bauern die Anwendung solcher Mittel auf zu zwingen. Wie soll so ein Amt je objektiv die Ursachen von BSE erforschen? Tragischerweise wurde dessen Chef aber nicht wegen Erfolglosigkeit abgesetzt, sondern wurde zum internationalen BSE – Hirnschwamm - Experten ernannt. Damit soll also die schweizer Methode des Imdunkelntappens um BSE, sogar noch exportiert werden, damit in Zukunft global die Landwirtschaft gedemütigt, belogen und zum Sündenbock gestempelt wird. 
Weitere sogenannte Wissenschafter arbeiten an Hochschulen rund um BSE. Längst steht aber auch dort nicht mehr im Vordergrund die Ursachen zu finden, geschweige denn, die echten zu kommunizieren. Längst dreht sich diese Forschung im Kreis und arbeitet so effizient wie ein vom Hirnschwamm befallenes Rind. Man stelle sich vor, die Ursache von BSE würde plötzlich bekannt gegeben. Ausser der Landwirtschaft gäbe es nur Verlierer! Dies hätte dramatische Auswirkungen auf das Bruttosozialprodukt und die Gewerkschaften würden bestimmt aktiv. Ganze Institute welche zur Zeit Millionenbudgets an Forschungsgeldern sinnlos verlochen, müssten schliessen. Heute genügt es, wenn mit absehbarer Regelmässigkeit, der in der Schweiz gefeierte Prionenguru, Professor Adriano Aguzzi über die Gefährlichkeit von BSE und dessen vermuteter Übertragbarkeit auf den Menschen philosophiert und schon rollen die Forschungsmillionen von Bern nach Zürich in sein Institut. Dabei macht Aguzzi regelmässig in Panik. Er nährt clever Vermutungen, wonach BSE in der Form der neuen Variante von Creutzfeldt - Jakobs auf den Menschen übergesprungen sei. Aber erstens haben sich alle seine düsteren Prophezeiungen, mit tausenden von Opfern in England, in Luft aufgelöst und zweitens gibt es Beweise, dass diese sogenannte Variante, nichts anderes, als wie BSE beim Tier, eine Vergiftung mit Insektiziden und Schwermetallellen beim Menschen darstellt. So traten im englischen Queniborough, wo der Boden vom Jahrzehnte langen Rapsanbau durch Maneb stark verseucht ist und im Städtchen Ashford, wo eine Fabrik Insektizide Produziert welche auch im lokalen Hopfenanbau eingesetzt werden, extrem überproportional viele Creutzfeldt - Jakobsfälle auf. Mehrere Betroffene waren zudem erwiesenermassen Vegetarier. Aguzzi welcher auch Berater der englischen Regierung war, hatte auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihn die echten Ursachen von BSE gar nicht interessieren. 1998 hatte er mir auf meine Frage nach seiner Einschätzung der Whatley Studie gesagt, diese Studie sei seriös erarbeitet und er kenne diesen Forscher persönlich. Auf meine Frage, weshalb er nicht an den Ursachen von BSE forsche, gab er zur Antwort, er arbeite an einem Früherkennungstest und weiter meinte er: „ Es ist eine akademische Frage ob BSE von Scrapie und folglich übers Fleischmehl kommt, oder von Nervengiften und wissen sie, das wird man nie wissen!“ Und er hat recht behalten. Was haben wir heute? Es wird pausenlos von Wissenschaftern geforscht, das BVET tappt im Dunkeln und mittlerweile sind BSE Tests nicht mehr weg zu denken. Mit solchen Tests machen Pharmafirmen heute in Europa Milliardenumsätze auf Kosten von Konsumenten und uns Bauern. Deshalb braucht es mehr internationale BSE- Experten und muss BSE auf der ganzen Welt zum Problem werden, damit der BSE-Testmarkt auch weltweit expandieren kann. So glaubt wohl niemand der informiert ist, dass es Zufall ist, dass kürzlich in Kanada und in Washington, je ein BSE-Fall auf- getaucht ist. Der dadurch ausgelöste, katastrophale Preiszerfall bei den Rindern wird tausenden Farmern die Existenz kosten und wieder werden Pharmafirmen mit ihren Tests profitieren. Ein Punkt oben drauf macht unser Bundesrat noch. Laut einem Bericht will er ab diesem Jahr auch BSE-Tests für Ziegen und Schafe vorschreiben. Die Ratlosigkeit unserer Politiker ist grenzenlos und deren Massnahmen uns gegenüber kopflos. Selbstverständlich war es falsch, Rindern als Vegetarier, Fleischmehl zu füttern. Dass heute aber zwecks Aufrechterhaltung einer nie bewiesenen Hypothese auch an Allesfresser kein hochwertiges Fleischmehl mehr verfüttert werden darf und dieses stattdessen in Hochöfen, der Betonindustrie als subventionierter Brennstoff dient, ist eine perverse, oekonomische Idiotie. Das Verbrennen von aber Millionen von Tonnen tierischer Eiweisse freut wieder die global tätigen Pharmakonzerne, welche diese die Lücke gerne mit Gentech Soja füllen werden.
Der Gegensatz zwischen den Interessen der Landwirtschaft und derer der Industrie könnte deutlicher nicht sein. 
Im Vorfeld der uns von Wissenschaft und Industrie aufgezwungenen Gentechnologie ist jetzt für jeden Bauern die Zeit der Entscheidung gekommen. Jeder muss sich entscheiden für wessen Interessen er eintritt und danach handeln. Das Zeitalter des Bauern als Dieners aller ist vorbei, weil es ihn sonst bald nicht mehr gibt. 


Urs Hans, Biobauer
Neubrunn, 8488 Turbenthal



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