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[Briefe
von Urs Hans zu BSE - ] Publiziert 2000-12-01 00:00:00
Urs Hans: Die Wissenschaft täuscht uns Bauern
Aufwind für eine alternative Theorie ?, war der Titel eines Beitrages
des Schweizerbauern vom Samstag den 23. Mai 98.
Im Herbst 96 war ich anwesend als Mark Purdey, ein englischer Biobauer
(der dummerweise einmal Biologie studiert hatte) im BVET seine Hypothese
vertrat. Diese besagte schon seit Längerem, dass die Anwendung von
Organophosphaten (Nervengiften) zur Ausrottung von Dasselfliegen an
Rindern in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Ausbruch der
BSE-Katastrophe stehe. Erst versuchten die Anwesenden dieses
Bundesamtes, zusammen mit einem Vertreter der Chemie die Aussagen
Purdeys ins Lächerliche zu ziehen. Da dieser aber kompetent und
sachbezogen konterte, hiess das Motto dieser Leute bis vor kurzem,
abwarten , beschwichtigen und Zeit schinden. Pikanterweise will mich
dieses Amt aber zwingen, meine Tiere ebenfalls mit diesen fragwürdigen
Medikamenten zu behandeln. Ich weigere mich aber und verlange
Beweislastumkehr.
Unabhängige Forschung wurde in der Schweiz vereitelt
Seit dem April dieses Jahres ist aber auch ihnen das Lachen vergangen.
Der eigentliche Grund von Purdeys Besuch in der Schweiz war eben ein
anderer. Er suchte dringend ein unabhängiges Institut in der Schweiz,
das bereit gewesen wäre den Ursachen von BSE auf den Grund zu gehen, da
er auch in England bisher keines gefunden hatte. Aber auch in der freien
Schweiz misslang sein Unterfangen. Schliesslich berichtete er mir im
letzten Jahr, Dr. Whatley, Leiter eines neurologischen Institutes in
London, sei nun bereit entsprechende Forschungen zu machen, nachdem
deren Finanzierung durch private Spenden gesichert war. Ende März
dieses Jahres erhielt ich die überaus unzweideutigen
Forschungsergebnisse direkt von Mark Purdey. Die Hauptaussage darin
lautet: Die Anwendung von Phosmet, einem Organophosphat, an tierischen
und menschlichen Zellen bewirkt eine dosisabhängige Zunahme von
Prionenveränderungen in den Zellmembranen, wie bei BSE. Weiter sagt
Whatley, dies sei die erste Studie, die den Zusammenhang zwischen
Phosmetanwendung und Prionenproteinen beweise.
Schweizer Forscher weichen aus
In der Folge konfrontierte ich viele namhafte Forscher mit dieser
Studie. Alle mussten bestätigen, dass es sich um eine seriöse Studie
handle, aber alle beschwichtigten und weigerten sich einen Zusammenhang
mit BSE anzuerkennen. Dagegen setzten alle auf einen Test zur Früherkennung
von BSE. Aber was haben wir Bauern eigentlich von so einem Test?
Betroffene Bauernfamilien wissen so einfach etwas früher, dass sie
praktisch ruiniert sind, aber den Ursachen kommt dadurch niemand näher.
Wir brauchen Gewissenschafter statt Wissenschafter
Wer die Hypothese von Mark Purdey, die von Whatley massiv bestätigt
wurde, weiterdenkt, der fragt sich nicht einmal mehr, weshalb unsere
Wissenschafter und Forscher lieber in Symtombekämpfung investieren, als
in Ursachenforschung. Der Schluss liegt nahe und praktisch auf der Hand,
dass die Chemie ursächlich schuldig oder zumindest mitbeteiligt an der
Entstehung von BSE ist. Wen wundert es noch, dass unsere Forscher
Ursachenforschung in diesem Bereich fürchten wie der Teufel das
Weihwasser? Bisher vertraute auch ich noch ein Stück weit auf die
sogenannte „Wissenschaftlichkeit“. Dies ist aber gründlich vorbei.
Unsere Wissenschafter arbeiten wissenschaftlich aber nicht gewissenhaft,
ergo nicht nach dem Gewissen. Wir brauchen Gewissenschafter die
Gewissheiten suchen ohne Halbwahrheiten oder eben Restrisiken. Sie müssen
nach dem Gewissen, dem gesunden Menschenverstand eben, umfassend und
ohne die verdammten Restrisiken, der Wahrheit und nicht dem Geld
verpflichtet, arbeiten. Mit den heutigen Möglichkeiten der Technik ist
alles andere lebensgefährlich, wie es auch der Zustand unseres Planeten
beweist. Wir müssen diese Herren der Schöpfung regelrecht zwingen dazu
mit einem Ja zur Gen-Schutz-Initiative, zu unser aller Ei-gen-en-Schutz.
Die Gen-schutz-Initiative ist wahrscheinlich die letzte Möglichkeit
für uns Bauern, uns vor der Abhängigkeit von der
Gen-Chem-Tech-Industrie zu retten. Diese Industrie kennt ihre Altlasten
ganz genau und flüchtet sich geradezu verzweifelt auf den neuen Dampfer
Gen-Tech. Nicht zufällig hat sich Monsanto von Ihrem Chemiebereich
bereits getrennt und wurde Phosmet an eine Briefkastenfirma in Arizona
verkauft.
Ethik und Wissenschaft
Das Theater um die Einsetzung einer Ethikkommission setzt dem Ganzen
noch das Tüpfchen auf das i. Da die Wissenschafter ihr Gewissensdefizit
eingestehen müssen, riefen sie zusammen mit dem Bundesrat eine
Ethikkommission ins Leben. Deren Präsidentin sagte am 2. Mai in der
Samstagsrundschau von Radio DRS wörtlich, heute brauche es einen
rationalen Zugang zu unseren Problemen durch Fachethiker, der normale
Menschenverstand reiche nicht mehr aus. - Eine absolute Frechheit -.
Ethik und Wirtschaft
Die Schweizer Bauern sind von der zweijährigen,millionenteuren Kampagne
in ihren Zeitungen verbal erschlagen und unsere Agrarlobby macht offen
mobil gegen eine Initiative die in erster Linie uns Bauern schützen würde.
Wer profitiert denn eigentlich von kurzfristigen Ertragssteigerungen
durch Gen-Tech-Pflanzen dereinst? Amerikanische Farmer müssen bereits
hoffen, dass ihre Kollegen in anderen Ländern Missernten einfahren, da
ihnen sonst die Preise ins Bodenlose zu fallen drohen. Bank-rott dank
hohen kurzfristigen Erträgen und am Ende gehört alles den Banken oder
direkt den Multis.- Eine Perversion in Reinkultur-.
Ethik und Politik
Im Kanton Zürich ist die Lage besonders tragisch, die Bauern befinden
sich faktisch in den Fängen der SVP, die auf dem Lande auftritt wie die
frühere SED in Ostdeutschland. Der zürcher Bauernsekretär und Präsident
der SVP-Schweiz, Ueli Maurer ist geradezu fasziniert von den rosigen
Aussichten durch Genmanipulationen an Pflanzen. Trotzdem, dass die
Gen-Lex des Bundesrates letztlich die Verantwortung bei allfälligen
Gen-Tech-Pannen voll auf die Bauern abschiebt. Da keine
Beweiselastumkehr vorgesehen ist, müssten bei einer
Gen-Tech-Katastrophe die Bauern der Industrie deren Verursachung
beweisen können, wie gehabt bei BSE und erneut liesse sich kein
Institut finden das bereit wäre, gegen die Interessen der Industrie zu
forschen, da alle abhängig sind. Das ist doch das Pferd am Schwanze
aufgezäumt. Derweil träumt Ueli Maurer in seinem Bericht im „Zürcher
Bauer“ vom 6. März von hitze-, salz-, trockenheits-und kälteresisten
Pflanzen, die dereinst dank der Erschliessung der entsprechenden Zonen
den Welthunger bekämpfen sollen. Vielleicht könnte er zwar in nicht
allzu ferner Zukunft zusammen mit Christof Blocher und Werner Vetterli
auf dem „Vrenelis Gärtli,“ auf dem Glärnisch, jenen Chabis
anpflanzen, den er uns sonst im „Zürcher Bauer“ vorsetzt und wir hätten
Ruhe von dieser SVP-Vetterli-Wirtschaft; aber die Restrisiken dieser
rosigen Aussichten sind mir dennoch zu gross.
Ein besorgter zürcher Bauer.
Urs Hans, Landwirt 8488 Turbenthal, Juni 98
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