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  [Briefe zu Gentechnologie - ] Publiziert 2000-12-02 00:00:00

Horizont 2010
Urs Hans Neubrunn, den 2. Dez. 00



Kritik an Strategiepapier " Horizont 2010 "


Auf Seite 7 Absatz E schreibt das BLW: Der technische Fortschritt wirkt als Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung. Entwicklungsimpulse werden auch von der Gentechnologie ausgehen."

Obwohl weder wir Bauern, noch die Konsumenten auch nicht im geringsten Gentechfood wollen, gibt unser Bundesamt dem Drängen der Nahrungsmittel- und Gentechindustrie nach und akzeptiert bereits im voraus eine Technologie, die keine ist.

Unter Technologie verstehen wir etwas Berechenbares, Garantierbares und etwas Verlässliches das sich auf den Bereich der anorganischen Materie bezieht. Metallurgie, Brückenbau, Weltraumfahrt ect.

Bei der gewaltsamen Veränderung von Pflanzen, Tieren und Lebensprozessen sind zwar die dazu eingesetzten Werkzeuge hochtechnologisch, die Methode an sich ist aber in höchstem Masse ungenau, deren langfristigen Auswirkungen nicht abzusehen und die Risiken absolut nicht berechenbar. Dies hat ergo gewiss nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Hier von Technologie zu sprechen ist schlicht irreführend. Die Versprechen der Gentechwissenschafter sind reine, unbewiesene Hypothesen. Würde dies uns Bauern aufgezwungen, so hätte dies, fatale Folgen für unser über Jahrtausende, auf natürliche weise, den Generationen weitergegebene Handwerk. Bereits , der durch die Chemisierung einhergegangene Verlust an Wissen um ganzheitliche Lebensprozesse, führte weltweit zu einer veritablen Sinnkriese der Bauern.

Die Kompetenz und damit die Ehre eines ganzen Berufsstandes steht auf dem Spiel. Gerade dafür müssen wir uns vermehrt einsetzen, denn immer mehr beanspruchen Andere diese Kompetenz. Die Liste ist lang: Düngerberater, Pflanzengiftberater Agraringenieure, Tierschutzberater, Bioberater, Veterinäre, Wissenschafter. Und alle lassen sich entschädigen mittels einer Vollkostenrechnung.

Weiter heisst es im Bericht: Das Potential für Produktionsteigerungen wächst weiter an und die Anwendung des technischen Fortschrittes ermöglicht eine Senkung der Stückkosten.

Erstens kann die landwirtschaftliche Produktivität nicht beliebig, ohne grosse Risiken einzugehen, gesteigert werden. Zweitens darf es gar nicht mehr das Ziel ( aller Andern ) sein unsere Stückkosten zu senken. Im Gegenteil, unser Ziel muss es sein mehr Wertschöpfung aus der Urproduktion zu erzielen. Mit anderen Worten, wir müssen eben auch mittels Vollkostenrechnung unsere Kosten decken, damit eine echt nachhaltige Produktion, ohne soziale Ausbeutung und unter menschenwürdigen Bedingungen, möglich wird.

Auf diese Weise leistet das Bundesamt für Landwirtschaft, uns Bauern, einen Bärendienst. Wenn wir die Weichen nicht selbst anders stellen, werden wir Bauern in Zukunft nur noch dienende Handlanger sein.



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